Grün fahren: Unsere Roadmap zur emissionsfreien Mobilität

Arjen Kraaij, Deputy CEO, im Interview mit dem Global Trailer Magazin.

„Wir als TIP Group müssen wie ein Katalysator wirken", sagt Arjen Kraaij. „In fünf Jahren möchten wir stolz verkünden können, dass wir die Vorreiter bei der Einführung von emissionsfreien Fahrzeugen in unserer Branche waren und sie einem breiteren Publikum zugänglich gemacht haben.“

Nach der Veröffentlichung des TIP-Nachhaltigkeitsberichts 2022 führte das Global Trailer Magazin ein Interview mit Arjen Kraaij über das Engagement des Unternehmens für mehr Nachhaltigkeit in der Transportbranche. Thema waren ebenfalls die innovativen Produkte und Dienstleistungen, die den Weg zur Erreichung der ehrgeizigen Ziele ebnen sollen.

 

Die Balance zwischen den Umweltauswirkungen und der wirtschaftlichen Bedeutung des Verkehrs zu wahren, ist eine komplexe Herausforderung. Wie setzt sich Ihr Management-Team aktiv dafür ein, positive Veränderungen voranzutreiben und den Beitrag der Branche zum Klimawandel zu mindern?

„Es steht außer Frage, dass die Transportbranche erheblich zu den CO2-Emissionen beiträgt. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sowohl weltweit als auch in Europa. Fakt ist ebenfalls, dass wir uns im Klimawandel befinden und wir jetzt Maßnahmen ergreifen müssen, um schwerwiegende Folgen für zukünftige Generationen zu verhindern. Wir sind der Meinung, dass wir als führendes Unternehmen in den Bereichen Vermietung und Wartung von Nutzfahrzeugen Verantwortung übernehmen müssen. Dies ist mehr als nur eine Überzeugung; es ist eine tief verwurzelte Selbstverpflichtung unserer Unternehmensstrategie und - philosophie. Wir empfinden es als unsere Pflicht zu handeln und den Wandel in unserer Branche zum Wohle aller voranzutreiben.“

 

Sie haben betont, dass Sie sich dafür einsetzen, die Branche zu mehr Nachhaltigkeit zu führen. Können Sie die konkreten Schritte erläutern, die die TIP Group unternommen hat, um verantwortungsvolle Maßnahmen in ihre Betriebsabläufe und Entscheidungsprozesse einzubauen?

„Wir beginnen diesen Weg direkt bei uns selbst, vor unserer eigenen Haustür, und haben eine eigene ESG-Abteilung etabliert sowie einen ESG-Ausschuss, dem sowohl der CEO als auch Mitglieder aus dem operativen Geschäft angehören. Sie überwachen unsere Strategie im Bereich Nachhaltigkeit. Wir haben unsere internen Kontrollen verschärft und neue Richtlinien und Grundsätze eingeführt. Dabei geht es nicht nur um die Einhaltung von Vorschriften oder das Ankreuzen von Kästchen, sondern darum, verantwortungsbewusstes Verhalten und Handeln sowie ESG-Projekte strukturell in unsere Entscheidungsprozesses einzubeziehen.

Ich bin stolz, sagen zu können, dass wir bedeutende Schritte in Richtung unserer Ziele unternommen haben und dies von externen, unabhängigen Organisationen bereits anerkannt wurde. Sustainalytics hat uns mit einem „negligible“ ESG-Risiko-Rating als führend in der Transportbranche anerkannt, während sich unser EcoVadis-Wert von 62 im Jahr 2023 auf 56 verbessert hat. Damit gehören wir zu den besten 20 % der Unternehmen weltweit. Unser Ziel ist es, noch besser zu werden. Die Erkenntnisse von EcoVadis geben uns einen klaren Fahrplan für die nächsten Schritte an die Hand. Diese Bewertungen sind nicht nur Auszeichnungen, sondern beweisen unseren Kunden, dass wir nicht nur reden: Wir sind auf dem richten Weg und bestens gerüstet, um auch unsere Kunden bei ihren Nachhaltigkeits-Strategien zu unterstützen.

 

Wie geht die TIP Group mit diesen Herausforderungen für ihre Kunden um, und wie unterstützt das Unternehmen sie bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele?

„Für unsere Kunden liegt die Hauptmotivation zum Umstieg auf emissionsfreie und emissionsarme Technologien auf der Hand: Mit eigenen Maßnahmen einen Teil zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen. Leider bestehen immer noch einige praktische Hürden. Die hohen Anschaffungskosten, Strompreise sowie die fehlende Ladeinfrastruktur im Bereich elektrische Nutzfahrzeuge beispielsweise. Darüber hinaus kommen die Unsicherheit über die Kalkulation von Restwerten und die fehlende Erfahrung bei den langfristigen Wartungskosten in dieser Fahrzeugsparte. Wir sind uns dieser Probleme nicht nur bewusst, sondern arbeiten aktiv daran, sie in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern zu bewältigen. Hier bietet sich eine riesige Chance, die nicht nur für Lkw-Motoren gilt, sondern auch für Kühlauflieger, die mit Standard-Diesel-Aggregaten betrieben werden. Die größte Schwierigkeit – die herkömmlichen mit Diesel betriebenen Kühlaggregate entsprechen nicht den, für neue Lkw vorgeschriebenen, niedrigen Emissionswerten. Unsere Lösung als Fahrzeugvermieter – die E-Reefer-Technologie. Diese einfache und effiziente Lösung kann alles verändern. Der mit Kraftstoff (Diesel) betriebene Motor im Aggregat kann durch einen Elektromotor ersetzt werden. Diese Lösung ist bereits bei uns verfügbar. Die Umrüstung ist ein wirksames Mittel, um die Emissionen zu senken und kann die Nachhaltigkeit in der gesamten Branche verbessern.  Die Technologie ist nicht neu für uns; wir haben bereits praktische Erfahrungen sammeln können und wissen aus erster Hand, dass sie in jeder Hinsicht eine Win-Win-Lösung ist.“

TIP Schweiz Weg zur emissionsfreien Mobilität

Gibt es neben der Elektrifizierung der Mietflotte weitere strategische Entwicklungen oder Initiativen bei der TIP Group?

„Daten sind ein weiteres Instrument, das wir nutzen können, um nicht nur die Emissionen zu senken, sondern auch die Effizienz der Flotte zu steigern. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren mindestens 80 % unserer Mietflotte digital vernetzt sein wird. Alle gesammelten Daten laufen auf unserer TIP Insight-Plattform zusammen und können dort ausgewertet werden. Es von hoher Wichtigkeit, dass unsere Kunden die Erkenntnisse aus diesen Daten nutzen können, um ihren täglichen Transportbetrieb weiter zu optimieren. Durch ein effektives Wartungsmanagement beispielsweise und die Einführung eines vorausschauenden Wartungsansatzes (predictive maintenance) können unnötige Fahrten wegen Wartungsarbeiten sowie unerwartete Ausfälle und Stillstandzeiten drastisch reduziert werden. Dies wiederum führt zu einer erheblichen Verringerung von Kosten und natürlich der Emissionen.

Ein schönes Beispiel aus der Praxis ist BrakePlus, unser elektronisches System zur Überwachung der Bremsleistung. Es bietet eine intelligente Lösung für die Überwachung der Bremsanlage der Auflieger, deren Auswertung wird von der britischen Driver and Vehicle Standards Agency anerkannt. Mit BrakePlus entfällt die Notwendigkeit, das ganze Jahr über physische Tests auf Bremsenprüfständen durchzuführen. Das ist genau die Art von Innovation, die wir mit unserer Technologie anstoßen wollen.“

 

Welche konkreten Maßnahmen wird das Unternehmen in den nächsten Jahren ergreifen, um diese Verpflichtungen in greifbare Ergebnisse umzusetzen?

„Im Moment gibt es unzählige ESG-Themen, die wir noch in angriff nehmen werden. Wir arbeiten an der Verringerung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles, leisten Pionierarbeit im Bereich Green Financing, um umweltfreundlichere Finanzierungen zu sichern, bauen unsere Werkstätten umweltfreundlicher und nachhaltiger um und möchten bis 2025 mehr als 5.300 Auflieger einem Refurbishment unterzogen haben, um nur einige Beispiele zu nennen. Wer tiefer eintauchen möchte, dem empfehle ich unseren Nachhaltigkeitsbericht 2022, den Sie auf unserer Webseite finden können.

Wie ich bereits erwähnt habe, ist es unser Ziel, bei der Einführung von emissionsfreien Fahrzeugen in unserem Sektor eine Vorreiterrolle zu spielen. Bis 2030 wollen wir erreichen, dass 40-50 % unseres Fuhrparks aus umweltfreundlichen, emissionsfreien Fahrzeugen bestehen. Dabei beschränken wir uns nicht nur auf E-Mobilität, sondern erforschen ein breites Spektrum an Lösungen. Dies wäre ein enormer Erfolg in unseren Bemühungen um Nachhaltigkeit. Vor allem aber wäre es ein Zeichen dafür, dass es uns gelungen ist, ein attraktives Geschäftsmodell zu entwickeln, das Flottenbetreiber ermutigt, diese emissionsfreien oder emissionsarmen Technologien zu nutzen.